Unser Photovoltaikabenteuer

Über das Thema Photovoltaik habe ich schon im alten Blog geschrieben. Aber leider sind die Beiträge komplett verschwunden. Deshalb versuche ich hier, nun nach Abschluss unseres Photovoltaikprojektes, einmal zusammen zu fassen, wie wir zur eigenen Stromerzeugung gekommen sind und was wir damit erreichen wollen.

Das Thema Photovoltaik beschäftigt uns schon ziemlich lange. Als wir vor 10 Jahren gebaut haben, war es noch nicht so wirklich aktuell. Aber wir haben uns schon damals für ein Heizsystem entschieden, bei dem mittels einer Wärmepumpe und Strom warmes Wasser für den Gebrauch und für die Fußbodenheizung erzeugt wird. Dadurch haben wir selbstverständlich einen recht hohen Stromverbrauch im Vergleich zu einem „normalen“ Zweipersonenhaushalt. Anfangs war das trotz allem noch deutlich günstiger als Öl oder Gas. Die Strompreise waren vor 10 Jahren noch sehr niedrig und man bekam spezielle Wärmepumpen-Strom-Tarife angeboten, über die der Strom noch deutlich günstiger zu haben war. Unser jährlicher Stromverbrauch liegt bei 7000-8000 kwh. Nachdem die Strompreise extrem gestiegen sind wäre es natürlich sehr sinnvoll, wenn man von diesem vielen Strom, den wir verbrauchen, einiges selbst erzeugen könnten. Wenn man mal ehrlich darüber nachdenkt, dann ist es aber nicht so wirklich „logisch“. Denn in der Zeit, in der wir den meisten Strom brauchen, nämlich im tiefen Winter und dann am ehesten Nachts, wenn es am kältesten ist, erzeugt eine Photovoltaikanlage nichts oder nur sehr wenig. Also wäre es doch toll, wenn man den erzeugten Strom zwischenspeichern könnte und ihn dann nutzt, wenn er gebraucht wird. Noch vor 5 Jahren war dies nicht realisierbar. Weder finanziell noch technisch. Denn damals musste man sich noch entscheiden, ob der erzeugte Strom für den Haushaltsstrom oder für die Heizung verwendet wird. Inzwischen schaffen es aber die sogenannten Wechselrichter, die den Photovoltaikstrom nutzbar umwandeln, ihn dahin zu verteilen, wo er auch gebraucht wird.

Technisch ist es also inzwischen möglich, eine Photovolatikanlage auf dem Dach zu haben und den dort erzeugten Strom entweder direkt zu verbrauchen oder ihn in einen Akku einzuspeisen und wenn dann immer noch etwas übrig ist, ihn ins Stromnetz einzuspeisen. Genau so ein System haben wir uns installieren lassen. Das ganze basiert auf einer Photovoltaikanlage mit SolarWorld Modulen und einer Leistung von 9,1 kwp. Im Keller steht ein Akku von Varta (Varta Element 6) mit 6,3 kWh Kapazität. Im Akku selbst werkelt ein Wechselrichter und das gesamte System wird von einem SMA Wechselrichter und einem SMA Sunny Homemanger gesteuert und die Daten zur Verfügung gestellt. So sieht das Akkusystem im Keller aus:

Nun sollte man denken, dass wir alles erreicht haben, was wir uns erträumt haben. Quasi die völlige Autarkie. Also Unabhängigkeit vom Stromanbieter. Aber das ist leider immer noch nicht so. Das System arbeitet jetzt seit Ende Dezember 2016. Natürlich genau in der Zeit, in der die Heizung sehr viel Strom braucht und es wenig Sonne gibt. Im Januar 2017 war es sehr sehr kalt und wir erreichten gerade mal eine Autarkiequote von 12%. Im Februar waren es dann schon 39% und im März werden wir wohl deutlich über 50% kommen. Unterm Strich wären 70% Autarkie toll. Dazu müssen wir aber vielleicht auch noch ein wenig unseren Stromverbrauch optimieren. Nicht nur senken sondern auch noch die Verbraucher im Haus so steuern, dass sie hauptsächlich dann Strom verbrauchen, wenn er auch gerade da ist. Bei der Heizung gestaltet sich das nicht so einfach. Allerdings bastle ich an einer Hausautomation auf Basis eines Rasperry Pi Rechners und dem FHEM System. Damit kann man auch die Heizung ansprechen, auch wenn es ein wenig Gebastelt ist. Dann wären auch Szenarien denkbar, dass man die Heizung viel warmes Wasser erzeugen lässt, wenn gerade viel Strom da ist und in der Zeit sogar die Fußbodenheizung etwas höher fährt, um darin quasi den Strom zu speichern.

Und? Funktioniert das System? Ganz kurz: JA! Einwandfrei sogar. Das Akkusystem hat in den letzten drei Monaten stetig dazu gelernt und an sonnigen Tagen war der Akku bereits im Februar morgens um 11 Uhr voll. Wir konnten dann oft das Haus bis Nachts um 22 Uhr selbst mit Strom versorgen. Im März sah es oft noch besser aus. Allerdings schafft es der Akku dann nicht immer, besonders hohe Stromverbräuche wie z.B. vom Backofen oder der Waschmaschine komplett abzufangen. Spannend wir es auch in den nächsten Monaten, wenn sicherlich immer noch mehr Sonne da sein wird und wir deutlich weniger Strom brauchen (für Heizung usw.). In der Kombination, wie wir sie haben, lassen sich sehr schön viele Daten erfassen und monitoren. Man sieht auch von unterwegs, wie viel Strom gerade verbraucht wird. Theoretisch könnte man dann auch im geplanten SmartHome z.B. die Waschmaschine oder die Geschirrspülmaschine einschalten. Aber auch das geht bei uns noch nicht.

Lohnt es sich? Auch kurz und knapp: NEIN! Die ökonomische Rentabilität ist leider noch lange nicht gegeben. Photovoltaik „lohnt“ sich leider immer noch nur dann, wenn man den Strom, den man erzeugt ins öffentliche Stromnetz einspeist und somit also verkauft. Die Preise für die Photovoltaikanlage selbst sind stark gesunken. Eine Anlage wie unsere bekommt man schon für unter 10000 Euro. Für den eingespeisten Strom bekommt man etwas mehr als 12 Cent/kwh. Damit könnte man schon innerhalb von ca. 10 Jahren die Investition wieder rein holen. Wenn man jetzt aber einen Akku dazu kauft, dann beginnt es sich sofort nicht mehr zu rechnen. Die Kosten für ein solches Akkusystem sind noch immer sehr hoch und was man dadurch einspart ist zu gering. Außerdem muss man nicht nur die Einnahmen aus dem Stromverkauf versteuern sondern auch den Strom den man selbst verbraucht. Und jede kWh, die man einspeichert und selbst verbraucht schlägt unterm Strich (wenn man es mal sehr genau berechnet) mit ca. 30 Cent zu Buche. Selbst bei teuren Stromanbietern bekommt man den Strom aber für 29 Cent. Bis sich das Ganze also finanziell lohnt, geht sehr sehr lange und so lange leben heutige Akkus leider nicht. Diese Berechnungen gehen natürlich immer davon aus, dass der Strompreis nicht deutlich ansteigt.

Warum wir es trotzdem gemacht haben? Naja, jeder braucht ein teures Hobby, oder? Andere haben Alufelgen am Auto! (Ironie!) Wir wollten zum einen unseren direkten Beitrag zur Energiewende leisten. Auch wenn Donald Trump es leugnet: Der Klimawandel ist Realität und wir müssen dringend etwas tun, damit uns unsere Erde nicht unter den Füßen zusammenbröselt. Außerdem ist es ein wirklich gutes Gefühl, zu 70% unabhängig zu sein von Stromanbietern. Genau das war es immer, was wir uns erträumt haben. Und dann ist auch unser Heizsystem ökologisch sinnvoll. Wenn dafür nicht Atom- oder Kohlestrom erzeugt werden muss. Ich werde weiter berichten, wie sich das System im Alltag bewährt. Für uns hat es sich jetzt schon gelohnt! Es kommt immer auf die Definition des Begriffs an…..

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